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Sonntagsgedanke – 20. Mai 2018

Pfingsten

Liebe Leserinnen und Leser

Heute, am Tag der Geistsendung, möchte ich etwas in den Blick nehmen, das wir "geistliches Leben" nennen. Dabei denke ich an eine religiöse Praxis, die von Liturgie, vom Empfang der Sakramente, vom Gemeinschaftsleben, aber auch vom persönlichen Tun und Lassen geprägt ist.

Bei mir wechseln sich Phasen ab. Einmal fühle ich mich in die Stille vor den Tabernakel hingezogen. Dann versuche ich, Gott unter den Schönheiten, Krusten und Narben meiner Beziehungen zu erfahren. Manchmal möchte ich meinen Glauben in ein eindeutiges System bringen, um darin Klarheit zu finden. Dann ziehe ich es wieder vor, unterschiedliche Gesichtspunkte kennen zu lernen.

Nicht immer braucht man dasselbe; die genannten Ausdrucksformen religiösen Lebens mögen sich ergänzen, und wir hoffen, durch jede weiter zu kommen. Wir laufen allerdings dann Gefahr zu stagnieren, wenn jede dieser Formen vor allem durch Abwehr einer ihr entsprechenden Angst bedingt ist: Die Angst vor dem Verlust der inneren Mitte durch das, was von aussen und von innen fordernd an uns herantritt (Flucht in den Rückzug), die Angst vor dem Verlust von Halt durch Nähe (Flucht in Beziehungen), die Angst vor dem Offenen, Unabgeschlossenen (Suche nach absoluten Idealen und Sätzen) und schliesslich die Angst vor Entschiedenheit (Flatterhaftigkeit).

Wenn wir zwischen unseren Ängsten und unserer religiösen Praxis einen Kurzschluss herstellen, dann wachsen wir nicht, sondern sterben zusammen mit unserem so genannten geistlichen Leben. Das, wovon wir uns Leben erhofft hatten, wird uns bald zum Sarg. Wir wollten uns stabilisieren und stagnierten stattdessen. Die Knoten, die wir lösen wollten, haben wir nur noch fester gezurrt.

Der Begriff "geistliches Leben" meint ein Leben unter dem Wirken des Heiligen Geistes. Wo finden wir in der Heilsgeschichte den Heiligen Geist am Werk? Da ist vom Geist Gottes die Rede, der vor der Schöpfung über den Wassern schwebte (Gen 1,2). Er überschattete die Jungfrau Maria, die von ihm empfing Lk 1,35). Nach der Himmelfahrt Jesu wurde der Geist gesandt, um das Antlitz der Erde zu erneuern (vgl. Ps 104,30); als Fürsprecher (Joh 14,16; 14,26; 15,26; 16,7) seufzt und betet er in unseren Herzen und ruft Abba – Vater (Gal 4,7).

Jedes dieser Beispiele zeigt: Der Heilige Geist will uns weder stabilisieren noch destabilisieren – er will uns transformieren!

Wir werden nie kalkulieren können, wohin die geistliche Reise geht. Das fällt uns nicht leicht, da wir eher gewohnt sind, uns ein klares Ziel zu setzen und dann entsprechende Schritte folgen zu lassen. Geistliches Leben schliesst das nicht aus, setzt aber bei einem ganz anderen Ausgangspunkt an, der uns vielleicht überrascht: bei unserem Selbstwert!

Worin besteht er? Jeder Mensch ist ein Geschöpf Gottes. Durch die Taufe tragen wir zudem als heiligmachende Gnade den dreifaltigen Gott in uns. (Das sollten wir uns aber nicht so vorstellen, als ob wir eine Vase wären, in der drei Rosen blühten. Gott ist keine Schnittblume und wir kein lebloses Gefäss. In diesem Bild fehlte die Bezogenheit, besser noch: die Durchwirkung!) Eigentlich sind wir im Kern alle gleich und gleich wertvoll – und doch ruft Gott einen jeden und eine jede mit seinem ganz persönlichen Namen. Das ist die Kostbarkeit.

Der Heilige Geist kann mit uns am besten arbeiten, wenn wir immer wieder übend versuchen, in jeder Situation in diesem Kern stehen zu bleiben und uns im Übrigen so weit wie möglich offen zu halten und immer wieder loszulassen.

Das Hauptproblem im geistlichen Leben ist nicht, dass wir das Ziel nicht erreichen könnten, es ist immer schon gegeben, sondern die Verstrickungen, die uns von der Herzenseinfalt, der geistlichen Armut, ablenken und dadurch verwirren und schwächen. Im konzentrierten Hören auf den Namen, mit dem Gott uns in jedem Augenblick und in jeder Situation anspricht, lassen wir sie wie entwurzelte Schlingpflanzen langsam verdorren. Dabei kann uns das Verweilen vor dem Tabernakel helfen, besondere Menschen (doch sei man wählerisch), ein bestimmter Meister des geistlichen Lebens oder die Vielfalt der Perspektiven.

P. Theo Flury

 
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