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Sonntagsgedanke – 30. September 2018

Kontemplation – ein Wesenszug Marias (2.Teil)

"Maria bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach" (Lk 2,19). Maria war die erste christliche Beschauliche, die erste christliche Kontemplative. Das Fest der Muttergottes von Einsiedeln fällt ausgerechnet auf den 16. Juli, auf das Fest Unserer Lieben Frau vom Karmel. Im 12. nachchristlichen Jahrhundert fanden sich auf dem Berg Karmel Einsiedler ein und verbanden sich später zu einer Ordensgemeinschaft unter dem besonderen Schutz Unserer Lieben Frau. Die Mitglieder dieses Ordens nennen sich Karmeliter und Karmeliterinnen. Grosse Gestalten wie Theresa von Avila, Johannes vom Kreuz und Thérèse von Lisieux gehörten ihm an. Aus der Webseite des Ordens wird ersichtlich, was die Karmeliter als Kernanliegen ihrer Spiritualität pflegen: die Kontemplation, die ohne Stille und ohne wenigstens zeitweilige Zurückgezogenheit kaum möglich ist. Da steht geschrieben: "Kontemplation ist ein Prozess der fortwährenden Umgestaltung durch die Liebe Gottes. Zugleich ist sie eine Haltung der Offenheit für die Gegenwart Gottes in uns selbst und in allem, was uns begegnet. So lernen wir, die Wirklichkeit mit den Augen Gottes zu sehen und mit seinem Herzen zu lieben."

Das Stillwerden vor und mit der Frau – mit Unserer Lieben Frau –, die alles, was geschehen war, im Herzen bewahrte und darüber nachdachte, kann auch uns dazu führen, dass wir zunehmend freier sagen können: "Mir geschehe nach deinem Wort" (Lk 1,38). Gerade dadurch werden wir vielleicht, wie Maria, die besondere Gnade, unsere besondere Lebenschance entdecken, die Gott uns in seiner weisen Vorsehung zugedacht hat. Die Kontemplation kann uns näher zu uns führen. Nur dann können wir das Wort Gottes für uns hören, wenn wir zum Geschwätz in uns und um uns herum in der Stille und in der zeitweiligen Zurückgezogenheit auf Distanz gehen.

Nicht jeder und jede von uns hat die Möglichkeit, ein Leben der Zurückgezogenheit und der Stille zu pflegen, wie es die Mitglieder des Karmeliterordens tun. Für jene hat Lothar Zenetti ein kleines Gebet geschrieben, das unsere Gedanken beschliessen möchte:

"Herr, lass mich deine Stimme heraushören aus all den Reden von Ansagern und Werbefritzen, von Schmeichlern und Scharfmachern, Sprechern und Schreiern, von Lobhudlern und Langeweilern, von Diskussionsrednern und Diktatoren, von Meinungsmachern und Nachbarn. Aus all dem Geschwätz, dem lauten und leeren und sinnlosen Gerede lass mich deine sanfte und eindringliche Stimme heraushören, Herr."

P. Theo Flury

 
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